Keuschheitsgürtel

Ein Keuschheitsgürtel ist ein Instrument zum Teilentzug der Selbstkontrolle. Bekannt ist der Keuschheitsgürtel auch unter dem Begriff „Florentiner Gürtel“. Vor allem in der BDSM-Szene findet der „Gürtel“ heutzutage Anwendung.
Durch ihn soll der Geschlechtsverkehr beziehungsweise die Masturbation des Trägers verhindert werden.
Die typische Konstruktion besteht aus einem Stahlgürtel um die Taille. Dieser ist mit einem Stahlband durch den Schritt sowie einem Schloss verbunden.
Für die Anwendung beim Mann sind auch abweichende Konstruktionen gebräuchlich. Allerdings ist hierfür dann der Ausdruck „Peniskäfig“ gebräuchlich.

Der Keuschheitsgürtel gilt heute hauptsächlich als Utensil bei erotischen Rollenspielen. Besondere Bedeutung findet er dabei im BDSM-Bereich.
Man nutzt ihn aber auch als Möglichkeit, seinem Partner den Wunsch nach monogamer Beziehung zu beweisen.

Der Keuschheitsgürtel ist dabei aus modernen Werkstoffen wie Acryl hergestellt. Es gibt ihn aber auch aus rostfreiem Stahl. Dieser ist dann jedoch etwas teuerer.
Da viele Hersteller Maßanfertigungen ermöglichen, passt sich der Gürtel der Anatomie des Trägers millimetergenau an. Um bei längerem Tragen Gesundheitsschäden wie Dekubitus, Infektionen oder Wundreiben, möglichst gering zu halten, sind spezielle Polsterungen und penible Intimhygiene unbedingt notwendig.

Erwähnt wurde der „historische“ Keuschheitsgürtel erstmals um 1400 in Padua.
Ungewiss ist allerdings, ob er ausschließlich die Enthaltsamkeit der Frau während der Abwesenheit des Mannes gewährleisten sollte. Eher vermutet man, dass es sich ebenfalls um ein Sexspielzeug handelte. Möglicherweise verwendete man den Keuschheitsgürtel auch als Straf- und Folterwerkzeug.
Der Keuschheitsgürtel soll um 1500 eingeführt oder gar in Massen produziert worden sein.

Hygienische Erkenntnisse widersprechen der Annahme, dass der Keuschheitsgürtel die Enthaltsamkeit der Frau über einen langen Zeitraum gewährleisten sollte. Die Materialen der damaligen Zeit scheuerten die Haut wund. Zudem hätten sich durch die ungenaue anatomische Anpassung Menstruationsblut und Urin im Gürtel sammeln können. Dies hätte zu schmerzhaften Infektionen der Haut beziehungsweise der Scheide geführt. In früheren Zeiten wäre das wegen der geringen medizinischen Möglichkeiten lebensgefährlich gewesen.

Es gibt keine eindeutigen Beweise, dass der Keuschheitsgürtel bereits im Mittelalter bekannt war. Man vermutet, dass es sich um einen in der Barockzeit erfundenen und verbreiteten Mythos handelt. Er sollte wohl eher zum Bild des „finsteren Mittelalters“ beitragen.
Andere Geschichten erzählen wiederum, dass Dogen Venedigs den Keuschheitsgürtel erfanden, um wirksam fällige Steuerschulden bei Prostituierten einzutreiben.

1889 fand der deutsche Antiquitäten-Sammler Anton Pachinger auf einem Friedhof einen Leder-Eisen-Gürtel an dem Skelett einer jungen Frau.

Die gelegentlich in Museen gezeigten, angeblich mittelalterlichen Exponate, erwiesen sich alle als Produkte des 19. Jahrhunderts. In England trugen diese unter anderem Dienstmädchen zum Schutz vor Vergewaltigungen.
Zudem sind ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert ähnliche Vorrichtungen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bekannt. Sie sollten die zur damaligen Zeit als krankhaft angesehene Masturbation verhindern.

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