Nekrophilie

NekrophilieDer Begriff „Nekrophilie“ kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus zwei Wörtern zusammen. Zum Einen aus dem Wort „nekrós“ und zum Anderen aus dem Wort „philia“. Nekrós bedeutet „Toter“ oder „Leiche“, philia ist die „Zuneigung“.
Die Bezeichnung „Nekrophilie“ stammt aus der Sexualforschung und der Psychologie. Es ist ein von der Norm abweichendes Sexualverhalten. Er bezeichnet einen auf Leichen ausgerichteten Sexualtrieb. Dabei nehmen Menschen in krankhafter Weise Handlungen an Toten oder mit Leichenteilen vor und empfinden dabei Lust.
Die „Nekrophilie“ gilt as Sexualperversion auf der Grundlage des Fetischismus und Sadismus.

Eine Leiche gilt für nekrophil veranlagte Menschen als eine Mischung aus Gegenstand und einem vollkommen wehrlosen Lebewesen. Das Opfer kann nicht mehr reagieren. Somit hat der Täter die uneingeschränkte Macht über das Geschehen.
Dieses Phänomen tritt häufig auch in verschleierter Form auf. Dabei fokussiert sich die sexuelle Aktivität zwar nicht auf Tote, aber dafür auf schlafende Menschen.

In Deutschland ist die Ausübung nekrophiler Handlungen allerdings strafbar. Sie fällt unter „Störung der Totenruhe“. Laut § 168 StGB kann sie sowohl mit einer Geldstrafe als auch mit einer Haftstrafe belegt werden. Zudem wird eine begangene Tötung mit der Absicht sich an der Leiche sexuell zu befriedigen, gemäß § 211 Abs. 1, 2 Var. 2 StGB als Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs bestraft. Dies hat eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie gegebenenfalls eine anschließende Sicherheitsverwahrung zur Folge.
Allerdings werden in Deutschland nur selten Fälle von „Nekrophilie“ bekannt. Beispielsweise erfolgte im Jahr 1999 überhaupt keine Verurteilung. Die Dunkelziffer dürfte jedoch erheblich sein.

Auch diverse Medien beschäftigen sich mit der „Nekrophilie“. In den Filmen „Nekromantik“ von 1987 und „Nekromantik 2“ von 1991 des deutschen Underground-Regisseurs Jörg Buttgereit ist die Liebe zu Leichen beispielsweise Thema. Ebenso wie „Kissed“ von Lynne Stopkewich aus dem Jahr 1996.
Eine bekannte filmische Umsetzung der Nekrophilie-Thematik ist Alfred Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ von 1958. Allerdings erfolgen hierbei aufgrund der zeitlichen Konventionen und Hitchcocks komplexem Regiestil gemäß,  allenfalls kunstvoll verschlüsselte Hinweise und Andeutungen. Francois Truffauts „La chambre verte (Das grüne Zimmer)“ von 1978 ist dabei eine weitere cineastische Annäherung an die Liebe zu Toten bis hin zur Besessenheit. Wie auch „Vertigo“, ist dieses Werk reich an interfilmischen Anspielungen.
In dem Thriller „Der Vogelmann (The Birdman)“ von Mo Hayder wird die Geschichte eines „Nekrophilen“ erzählt, der Prostituierte zu sich einlädt. Anschließend tötet er sie, um sich an ihnen zu befriedigen.
Weiterhin wird die „Nekrophilie“ in dem Buch „Das Spiel“ von Stephen King angeschnitten. Die Hauptfigur des Buches wird von einer nekrophilen Person verfolgt. Diese gräbt Leichen aus und vergeht sich an ihnen. Danach werden sie von der Person zerstückelt.

Darüber hinaus handeln Texte einzelner Bands von „Nekrophilie“. Insbesondere kommen sie aus dem Black- und Death-Metal-Bereich. Hierbei wurden in Deutschland jedoch schon einige Alben indiziert.
In dem Song „Heirate mich“ behandelt die Rock-Band „Rammstein“ die Thematik. Ebenfalls wird sie mit dem Lied „Nekrophil“ von den „Böhse Onkelz“ besungen.
Nekrophile Themen kommen aber auch in der Popmusik vor. Zum Beispiel in dem Song „Where the wild roses grow“ von Nick Cave und Kylie Minouge. Genauso in Cat Stevens´ „Lady D´Arbanville.

In seiner analytischen Sozialpsychologie versteht Erich Fromm unter „Nekrophilie“ eine Charakterorientierung. In Verkehrung der biophilen Kräfte des Menschen zeigt sie im modernen Sozialcharakter eine zunehmende Tendenz zur Zerstörung. Nach Fromm sind „Nekrophilie“ und „Destruktiviät“ die „Folge ungelebten Lebens“. Diesen Begriff wendet Fromm sowohl auf die Charaktere einzelner Personen an, als auch auf Züge der westlichen Zivilisation.

Auffällig ist nach Fromm an nekrophilen Menschen zum Beispiel eine Vorliebe für schlechte Gerüche. Überwiegend handelt es sich dabei um den Geruch von verfaulendem oder verwesendem Fleisch.
Vorwiegend benutzt die nekrophile Sprache Worte, die sich auf Zerstörung, Exkremente und Toiletten beziehen.
Auf Grundlage solcher Beobachtungen entwickelten Fromm und M. Maccoby einen interpretativen Fragebogen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass biophile und nekrophile Tendenzen messbar sind. Zudem korrellierten sie stark mit sozialen und politischen Einstellungen.

Im sozialen Sinne ist nach Fromm das „Kennzeichen der Nekrophilie“ eine Vergötterung der Technik. Fassaden aus Beton und Stahl, die Vergeudung von Ressourcen im Konsumismus und die Art, wie der Bürokratismus Menschen als Dinge behandelt sowie die Megamaschine sind Symbole des „Nekrophilen“.

Fromm lieferte in seinem Werk „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ eine Analyse der „Nekrophilie“. Als klinischen Fall von „Nekrophilie“ porträtierte er dabei auch Adolf Hitler.

Kommentare

1 Kommentar zu “Nekrophilie”

  1. Krang2 am 20. August 2009 02:25

    Wie kann so eine zweifelhafte Theorie von Fromm soviel Raum in einer Definition von Nekrophilie einnehmen?

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