Zoophilie

Eine Form der Zoophilie behandelt die menschliche Sexualität.
Mit ihr bezeichnet man das sexuelle „Hingezogensein“ zu Tieren.

Zoophilie kann sexuelle Handlungen beinhalten. Teilweise bestehen sie aber auch nur aus Vorlieben, welche sekundär oder manchmal sogar unbewusst der sexuellen Befriedigung des Menschen dienen.
Den früher gebräuchlichen und zudem moralisch aufgeladenen Begriff „Sodomie“ verwendet man heute nicht mehr.

Zoophilie ist unter den nicht näher bezeichneten Paraphilien aufgeführt. Paraphilie ist eine sexuelle Abweichung der gesellschaftlichen Norm. Demnach ist Zoophilie eine gestörte Sexualpräferenz.

Die Begriffe im Wortfeld „Zoophilie“ sind nicht allgemeingültig definiert. In diesem Fall lautet aber die heute gängigste und meistgenutzte Definition, dass Zoophilie eine emotionale Bindung zu einem Tier beschreibt. Diese führt sogar zu einer Bevorzugung des Tieres als Lebensgefährten oder auch Sexualpartner. Es existieren aber auch spezifischere Begriffe, wie beispielsweise „Kynophilie“. Dieser bezeichnet menschlich gesteuerte sexuelle Handlungen zwischen Mensch und Hund, beziehungsweise die entsprechenden Neigungen.

Aus der klassischen Antike sind vielfältige Berichte bekannt, bei denen es sich eindeutig um sexuellen Kontakt mit Tieren handelt. Im Alten Griechenland verehrte man beispielsweise verschiedene Gottheiten dadurch, gewaltsamen Geschlechtsakt mit Tieren zu praktizieren, welche eine bestimmte Gottheit symbolisierten.
Ebenso spielen in der griechischen Mythologie Mensch-Tier-Kontakte eine Rolle. Beispiele dafür sind Minotaurus, Leda oder Europa.
Bordelle im Alten Rom benannte man teils sogar nach den Tierarten, die dort für den Menschen zur Verfügung standen.

Bis 1969 waren in Deutschland sexuelle Kontakte zwischen Mensch und Tier verboten. Die widernatürliche Unzucht, die Menschen mit Tieren begingen, wurde mit Gefängnis bestraft. Ebenfalls konnte es auch zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte führen.
Durch die Große Strafrechtsreform hob man 1969 diese Strafbarkeit auf.
Allerdings setzen Tierschutzgesetze weiterhin gewisse Grenzen. Falls es sich um fremde Tiere handelt, greift hier das Gesetz gegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Die Verbreitung pornografischer Schriften sowie alles, was die Verbreitung sexueller Handlungen mit Tieren als Gegenstand beinhaltet oder dessen Verbreitung zum Ziel hat, ist jedoch weiterhin strafbar. Der bloße Besitz ist hingegen erlaubt.

Im westlichen Kulturkreis werden sexuelle Verhältnisse zu Tieren aus sittlichen Gründen nicht geduldet und tabuisiert. Darüber hinaus vertritt man die Ansicht, dass jeder der ein Tier als Mittel zu seiner sexuellen Befriedigung benutzt, dessen Würde verletzt. Ganz davon abgesehen, ob das Tier dabei Schmerzen oder gar Schaden erleidet. Auch deshalb wurde die Zoophilie in den letzten Jahren das Feld intensiver und diskutierter Untersuchungen.

Eine Sexualtherapeutin stellte 1999 in ihrer Dissertation fest, dass es Hinweise darauf gibt, dass Zoophilie genau, wie beispielsweise Hetero- und Homosexualität, eine echte sexuelle Orientierung ist. Dies steht jedoch im Gegensatz zur Lehrmeinung, welche die Zoophilie als Paraphilie klassifiziert.

In der Zusammenfassung einer anderen Untersuchung wird die Zoophilie als Ausdruck der Zuneigung und Liebe sowie der sexuellen Anziehung beschrieben. Daher muss es nicht notwendigerweise ein Ausdruck von Aggression oder ein Trieb zur Dominanz sein, wie man bislang allgemein annahm.

Für beide Studien untersuchte man zoophile Männer und Frauen mit Hilfe von Fragebögen und persönlichen Interviews.
Gemeinhin sieht man sexuelle Mensch-Tier-Kontakte ausnahmslos noch als gewalttätig an. Diese Studien versuchen allerdings ein differenzierteres Bild zu zeigen. So wird teilweise schon in einem passiven Verhalten eines Tieres eine Zustimmung gesehen.
Andere Autoren sind der Meinung, dass Tiere den sexuellen Akt durchaus genießen oder ihn sogar selbst herbeiführen. Gängig und als Beispiel hierfür oft genutzt werden Rüden. Sie versuchen sich instinktiv ihrer Zuneigung folgend am Bein ihres Besitzers zu reiben. In der Regel unterbindet dies jedoch der Hundebesitzer.

Das Argument eines Philosophen lautet, dass die Zugehörigkeit eines Lebewesens zu einer bestimmten Gattung allein nicht von moralischer Relevanz sein kann. Solange sie also gegenseitig zufriedenstellend ist, hält er daher sexuelle Mensch-Tier-Kontakte für akzeptabel.

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